11. Deutsche Meisterschaften der Rheinischen Karnevals-Korporationen im Gardetanzsport

 

Wenn am frühen Sonntagmorgen hunderte junge Tänzerinnen und Tänzer in eine Halle strömen, dann ist es dieses ganz besondere Feeling und diese wunderbar knisternde Atmosphäre, die uns wissen lässt: Heute geht es um alles, denn heute finden die 11. Deutschen Meisterschaften der RKK statt. Nachdem die Kinder und Junioren am Samstag schon alles gegeben haben, waren am zweiten Adventssonntag die Senioren ab 16 Jahren an der Reihe. Insgesamt 44 Vereine mit 140 Tänzen und 800 Aktiven nahmen am Turnier teil. Monatelang haben die Tänzer darauf hintrainiert. Es sind die fünf Minuten ihres Lebens, um die es heute ging. Fleiß und harte Trainingsarbeit sollten sich zum Jahresabschluss in Stolz und Glücksgefühle verwandeln. Garde & Show blickt auf einen langen, aber wunderschönen Meisterschaftssonntag zurück.

Den Anfang des Tages bildete ein Into-Video, bei dem alle teilnehmenden Vereine vorgestellt wurden. In jeder Ecke der Halle hatte sich ein anderer Fanclub formiert und jubelte beim Einblenden des eigenen Vereins. Bei Countdown mündete dieser Jubel der Einzelnen in einen Jubel der gesamten Masse. RKK-Präsident Hans Mayer schwang eine kurze Rede: „Ich bin stolz, dass diese tollen Tänzerinnen und Tänzer hier im Verband tanzen“, sagte er und dankte dabei insbesondere den Trainern: „Denn ihr seid die Gelassenheit und das Bindeglied zwischen den Tänzern“, so Mayer. Bei der Nationalhymne griff der selbst ans Mikrofon und brillierte mit opernreifer Stimme neben der Live-Kapelle. 

Das TC Altenrather Sandhasen 1992 e.V. sicherte sich den Meistertitel mit der gemischten und der weiblichen Garde.

Die erste Disziplin des Sonntages waren wie immer die gemischten Corps. Wenig überraschend gewannen in dieser die Altenrather Sandhasen mit 47,7 Punkten und konnten damit ihren Titel aus den letzten Jahren verteidigen. Neidlos muss anerkannt werden: Dieses Tanzcorps ist einfach das Beste, das auf den RKK-Turnierbühnen zu sehen ist. Die Gruppe ist unschlagbar in Sychronität, Kreativität und Ausstrahlung. Die Männer stechen nicht negativ heraus, sondern beherrschen alle Schwierigkeiten wie die Frauen. Jeder einzelne Tänzer ist sicher in dem, was er tut. Auf Platz zwei schaffte es die gemischte Garde des TSV Meindorf mit 45,6 Punkten. Im letzten Jahr noch auf Platz drei konnten sich die Tänzer nochmal deutlich steigern. Dass die Gruppe jedoch noch so eine hohe Wertung und Platzierung erreichen konnte, war bei den Voraussetzungen keine einfache Leistung. Denn sie musste gleich zweimal tanzen. Beim ersten Versuch stoppte die Musik mitten im Tanz, der daraufhin abgebrochen werden musste. Es war DAS Drama des Tages. Tränen. Verzweiflung. Anspannung: Dürfen wir nochmal? War es das jetzt? War alles umsonst? Nein, war es nicht. Das Problem lag nicht beim Verein, sondern bei der Technik. Am Ende der Disziplin durfte der TSV Meindorf erneut tanzen. Mit Zack und Herzblut konnten die Tänzer die Jury dann doch noch überzeugen. Trainerin Jessica Schmidt sagte Garde & Show: „Natürlich freuen wir uns über Platzierungen, aber bei uns zählt eigentlich mehr der Zusammenhalt und der Spaß am Tanzen. Wir sind eine große Familie.“ Auf Platz drei schaffte es der TSV Uckerath mit 45,3 Punkten. Fröhlich, spritzig und mit abwechslungsreichen Schritten und Formationen erfreuten sie Jury und Publikum. Viele Schwierigkeiten und Hebungen zeichneten den Tanz aus. Ein Mädchen lief nach dem Tanz verletzt von der Bühne, hatte aber bis zum Schluss durchgehalten und damit zu der hohen Punktzahl beigetragen. Somit konnten sich die Hessenmeister von 2016 und Fünftplatzierten von der DM 2015 ebenfalls deutlich verbessern. 

Der TSV Uckerath musste sich mit der weiblichen Garde nur dem TC Altenrather Sandhasen 1992 e.V. geschlagen geben.

Als zweite Disziplin wurden die weiblichen Garden auf die Bühne gebeten. Mit Startnummer eins gab es gleich zu Beginn die beste Gruppe zu sehen: Erneut die Altenrather Sandhasen, die es der gemischten Garde gleichtaten und ebenfalls mit deutlichem Abstand auf Platz zwei ihren Titel mit 47,4 Punkten verteidigten. Sehr sauber und synchron und mit großem Einfallsreichtum haben sie zwar den Gardetanz nicht neu erfunden. Dennoch sieht man bei der Gruppe immer wieder etwas, das man so noch nie bei einer Garde gesehen hat. Auf Platz zwei mit 46,6 Punkten landete die Garde des TSV Uckerath, die im letzten Jahr noch auf Platz drei stand. Die Gruppe gehörte mit acht Tänzerinnen zu den kleineren, was ihnen aber nicht wehtat. Durch die vielen Solistinnen im Team, konnten zahlreiche Schwierigkeiten vertanzt werden, die alle perfekt beherrschten. Die Mädels sind topfit – das konnte man sehen. Platz drei bei den weiblichen Garden ging nach Simmern mit 45,7 Punkten. Die Saarlandmeisterinnen strahlten die pure Freude aus und überzeugten insbesondere mit einer schön vertanzten Choreografie. 

Tanzpaar Sarah Meise und Calvin Knopp.

Als nächste Disziplin gingen die Tanzpaare an den Start. Nachdem die Vorjahressieger Sarah und Sascha Arndt in diesem Jahr verletzungsbedingt aufhören mussten, war es hier ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Favoriten. Ihrer Favoritenrolle gerecht wurden Sarah Meise und Calvin Knopp (KCSK Simmern). 48,2 Punkte und damit Platz eins konnte das Paar nach seinem zweiten Platz im letzten Jahr erreichen. Durch die zauberhafte Ausstrahlung sowohl bei ihm als auch bei ihr machte es großen Spaß, den beiden zuzusehen. Trainerin Christiane Meder verriet: „Die beiden können berufsbedingt nicht jede Woche gemeinsam trainieren, maximal einmal in der Woche. Aber sie verstehen sich so gut, nicht nur persönlich, auch auf tänzerischer Ebene, dass es wunderbar funktioniert. Sie tanzen ja auch schon lange zusammen.“ Die Freude nach dem Tanz war riesengroß, noch bevor das Paar seine Wertung hörte, denn sie tanzten ganz offensichtlich um alles. Ebenfalls favorisiert waren Lena Marie Zimmermann und Leon Kopac von der KG Herdorf. Sie schafften es mit 47,7 Punkten nach einem vierten Platz aus dem Vorjahr auf Platz zwei. Besonders auffällig in diesem Tanz: Der rote Faden. Vom Kostüm über die Choreografie bis zur Musik war alles spanisch angehaucht.  Schon das Tango-Intro versprach Spannung. Die schwierigen und sicher vertanzten Hebungen sowie die schöne Ausstrahlung brachte das Paar verdient den Vizemeistertitel. Platz drei ging bei den Tanzpaaren an Jennifer Reckenthäler und René Touby von der KG Rot-Blau Niederbreitbach mit 46,4 Punkten – ganz genau dieselbe Wertung wie im letzten Jahr. Auch hier konnte das Publikum sehr viele und schwierige Hebungen sehen, die gut miteinander kombiniert waren. Abwechslungsreiche Abgänge und ein absolut authentisches Lachen bei beiden rundete diese Leistung ab. 

Elly Simon (TSV Meindorf 2015 e.V.) und Jennifer Jager (TSC Gisingen-Brotdorf e.V.).

Nach den Tanzpaaren folgte die Mittagspause, in der die bekannte Gruppe „Kolibris“ dem hungrigen Publikum einheizte. Anschließend ging es sofort mit den Tanzmariechen weiter. Den „Hattrick“, also drei Titel in Folge, schaffte Jennifer Jager vom TSC Gisingen-Brotdorf mit 48,6 Punkten. Darüber hinaus konnte sie alle Landesmeisterschaften gewinnen und sicherte sich somit auch noch den Grand-Slam-Pokal der RKK. Jennifer verriet Garde & Show vor ihrem Auftritt, dass sie ihren Tanz vor der Meisterschaft nochmal umgestellt hatte. Einige Schwierigkeiten verlegte sie gleich an den Anfang, um am Ende mehr Kraft und Luft zu haben. „Die Saison war für mich durchwachsen, auch wenn man das an den Wertungen nicht gesehen hat. Ich habe ja etwas später angefangen, weil ich mein Abi geschrieben habe. Wir hatten den Tanz zwar gestellt, aber ich habe ihn auf keinem Turnier so getanzt, sondern immer was Anderes gemacht. Meine Mutter und meine Trainerin waren immer wieder aufs Neue überrascht.“ Überraschend auf Platz zwei schaffte es bei den Tanzmariechen Elly Simon vom TSV Meindorf mit 47,5 Punkten. Sie konnte damit nicht nur ihren dritten Platz aus dem letzten Jahr verbessern, sondern auch ihre Punktzahl. Während der Saison eher unauffällig war sie zur Deutschen Meisterschaft auf den Punkt fit und holte alles aus sich raus. Gute Akrobatik, ein hoher Schwierigkeitsgrad und eine unverwechselbare Attitude konnten die Jury überzeugen. Somit ließ Elly Simon sogar Carolin Nettekoven vom TC Altenrather Sandhasen hinter sich, für die Platz zwei nach Jennifer Jager schon fast als gesichert galt. Carolin holte sich immer noch gute 47,4 Punkte und damit Platz drei. Hervorzuheben ist in dieser Disziplin ebenfalls Platz vier mit Christina Vitt vom TSV Uckerath mit 47,0 Punkten, die im letzten Jahr noch auf Platz 13 tanzte und sich somit am meisten von allen verbessern konnte.

Der TSV Aix La Chapelle e.V. Aachen mit dem "Musik-Quiz".

Damit waren die Gardedisziplinen beendet und es ging weiter mit den Schautänzen. Als einziger Starter ging bei den gemischten Schautänzen der erst im Mai neugegründete TSV Aix La Chapelle aus Aachen an den Start. Die erste Vorsitzende Janine Wolff sagte Garde & Show: „Wir haben uns als Ziel gesetzt, die Mindestpunktzahl zu erreichen und damit den Meistertitel zu bekommen. Es ist aber schon sehr schade, dass wir die ganze Saison ohne Gegner getanzt haben.“ Den Titel hatten die 16 Tänzerinnen und Tänzer dann auch mit 45,7 Punkten verdient. Mit dem „Musik-Quiz“ ging es auf eine Reise durch die Stimmungsmusik von Wolfgang Petry über Helene Fischer bis Mickie Krause. Die Aussage „Wir sind alle nur Menschen“ am Ende machte die runde Choreografie nochmal extra schön. 

Die TG "In Team" des TSV Rhein-Nahe e.V. Stromberg mit "Ahoj, Land in Sicht".

Bei den weiblichen Schautänzen war die Konkurrenz größer. Insgesamt sieben Gruppen gingen hier an den Start. Gewinnen konnte die Tanzgruppe „InTeam“ des TSV Rhein-Nahe Stromberg mit ihrem Tanz „Ahoj, Land in Sicht!“. Die Hessen- und Saarlandmeisterinnen konnten somit ihrer Favoritenrolle ebenfalls gerecht werden. Trotz der Gruppengröße von 28 Tänzerinnen war der Tanz sauber und synchron. Sie führten das Publikum durch das Meer, mit großartigen Effekten und wahnsinnig viel Bewegung auf der Bühne. Der Tanz ist für das Publikum gemacht und nicht für die Wertungen, entsprechend großen Spaß hatten die Tänzerinnen in ihrer Show. Platz zwei ging an die Gruppe „DanceEmotion“ aus Saulheim. Sie überzeugten mit „Der Wald lebt, die Erde bebt, Ameisen geben alles für ihr Team.“ Die Botschaft kam bei der Jury an. Aufwändige Kostüme und groß gebaute Bilder sowie schnelle, schwierige Schritte sicherten der Gruppe 46,8 Punkte. 46,4 Punkte bescherten dem Tanz „Fiesta Mexicana“ von der KG Kornblumenblau Eich den dritten Platz. Die Rheinland-Pfalz-Meisterinnen verbreiteten mit ihrem Tanz richtig gute Laune. Eine gefallene Hebung und kleine Vertanzer sorgten jedoch „nur“ für Platz drei. Die Fans verstanden dies nicht und leise Buh-Rufe bei der Wertung tönten durch die Halle. 

Die Schautanzformation "Calypso" e.V. Duisburg mit "Tanz der Hexen".

Die letzte Disziplin des Tages waren die Schaudarbietungen, bei denen Kulissen, Lichteffekte und Requisiten erlaubt sind – im wahrsten Sinne des Wortes der Höhepunkt des Tages, denn Platz eins erreichte mit 48,7 Punkten die höchste Wertung des Tages: Der „Tanz der Hexen“ von der Schautanzformation „Calypso“ aus Duisburg. Die Gruppe vertanzte die mystische Geschichte der Walpurgisnacht. Ein geheimnisvoll anmutender Anfang mündete in ein Power-Ende. Man fühlte sich beim Zuschauen wie im Film. Platz zwei ging in dieser Disziplin an die „Wickinger“ der Tanzgruppe „Tanzende Sterne“ (FKK Emmelshausen) mit 46,6 Punkten. Mit sieben Männern im Team ist natürlich einiges an hohen Aufbauten möglich. Spektakulär und mit hohem Schwierigkeitsgrad wirbelten sie die Tänzerinnen in hohen Würfen durch die Luft. Diese störten den Tanz aber nicht, sondern waren gut darin integriert und sorgen somit für zahlreiche „Ahs“ und „Ohs“ im Publikum. Platz drei erreichte die Tanzgruppe „Magic Dancers“ der KG Narrenzunft Remagen, genau wie im letzten Jahr. Für „Into the fire – rescue 911“ gab es 46,3 Punkte. In diesem Tanz war die Geschichte eines Brandes vom Anruf in der Notrufzentrale bis zum Löschen des Feuers klar erkennbar und sehr aufwändig umgesetzt. Rauch, Lichteffekte und mitreißende Musik kamen gut an.

Am Ende des Tages waren zwar nicht alle Tänzerinnen und Tänzer mit ihrer Platzierung und Wertung zufrieden. Im Großen und Ganzen war die Meisterschaft jedoch ein voller Erfolg. Die Jabachhalle in Lohmar ist wie gemacht für dieses Event. Eine große, gut ausgeleuchtete Bühne, stimmungsvolle Dekorationen und ein gut gelauntes Publikum sorgen für das richtige Flair, das so ein Finale haben muss. Ein großes Dankeschön geht auch von unserer Seite nochmal an den Ausrichter-Verein KG Husaren Schwarz-Weiß Siegburg, der einen tollen Job bei Organisation und Durchführung des Turniers gemacht hat.

Die Live-Videos von den Siegerehrungen (Kinder, Junioren und Senioren) sowie eine Fotogalerie findet ihr auf der Garde & Show Facebookseite.

Download
Hier gibt's die Siegerliste der Meisterschaft zum Download
(Quelle: www.rkk-koblenz.de)
Siegerliste DM 2016.pdf
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