Europa zu Gast in Jülich: Die 49. Europameisterschaften der IIG

Wenn einer den anderen respektiert, wenn alle für die anderen jubeln und irgendwie jeder jeden kennt – dann sind wir zu Gast bei der Internationalen Interessengemeinschaft für Tanzsport (IIG). Aus ganz Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Österreich und Ungarn waren rund 600 Garde- und Schautänzer angereist. Schauplatz in diesem Jahr: Das Schulzentrum in Jülich in Nordrhein-Westfalen. Die IIG hat als Ausrichter gemeinsam mit der Dance Akademie Jülich als helfender Verein vor Ort ganze Arbeit geleistet und für einen reibungslosen Turnierablauf gesorgt. Gut 1.000 Zuschauer verfolgten zwei Tage spannende Wettkämpfe in den unterschiedlichsten Disziplinen.

 

Am Sonntag begann der Tag ganz entspannt mit bestem Wetter. Die Tänzer, Trainer und Zuschauer strahlten mit der Sonne um die Wette. So groß war die Vorfreude auf den sportlichen Höhepunkt des IIG-Turnierjahres. Für die Eröffnung hatte sich die Dance Akademie etwas Besonderes einfallen lassen: Die Tänzer hatten eine Choreografie online gestellt, die alle schnell und einfach lernen konnten. So tanzte bei der Eröffnung die ganze Halle diese Choreografie und stimmte sich so auf den Tag ein. Anschließend folgte ein emotionaler Eröffnungstanz der DAJ mit den Tänzerinnen und Tänzern verschiedener Altersklassen. Dieser brachte das Familiengefühl und das europäische Gemeinschaftsgefühl auf den Punkt. Die ganze Mühe von IIG-Präsident Hans Pfeiffer und seiner Frau und das viele Herzblut der Tänzer spiegelten sich darin wieder. Nach den Hymnen aller teilnehmenden Länder und einleitenden Worten ging’s auch schon los. Zuerst zeigte die Aufsteiger-Klasse ihr Können. Anschließend ging es in die A-Leistungsklasse und damit an die Crème de la Crème der IIG-Tänzer.

Maxime Boumans, DV Dance Action Odiliapeel (Niederlande).

Garde Solotanz

Bei den Gardesolos gingen fünf Tänzerinnen an den Start. Sehr akrobatisch, mit vielen Sprüngen und Polka-Elementen war die Leistungsdichte in dieser Disziplin sehr hoch. Die Zuschauer bekamen deutlich zu sehen, wie athletisch es bei den Gardetänzerinnen zugeht und wie viel Kondition, Kraft und Beweglichkeit den Sportlerinnen abverlangt wird. Deutlich die Nase vorn hatte die Niederländerin Maxime Boumans (DV Dance Action Odiliapeel). Bei der Schnelligkeit ihres Tanzes wäre wohl so manche Tänzerin nicht hinterhergekommen. Maxime tanzte die schwierigen Schrittkombinationen aber trotz der Schnelligkeit so sauber aus, dass sie allen anderen so zu sagen davonrannte. Dazu kamen viele schwierige Elemente, die sie in ihren Tanz integrierte und so deutlich mit 48,2 Punkten siegte. Platz zwei sicherte sich die amtierende Deutsche Meisterin Mila Kremer (Dance Akademie Jülich) mit 47,8 Punkten. Sie ist erst in dieser Saison vom TSC Lindlar zur DAJ gewechselt, erzählte Trainerin Simone Kosprd Garde & Show: „Mila hat hart an sich gearbeitet und ist immer bescheiden geblieben. Auf der NRW-Meisterschaft schaffte sie den Durchbruch. Dadurch ging es mit Selbstbewusstsein zur DM und dort tanzte sie wohl den Tanz ihres Lebens.“ Bei der EM punktete Mila mit Natürlichkeit. Sie versprühte so viel Spaß auf der Bühne, dass ihr jeder ihr Lachen auch glaubte. Dritte wurde Celine Schumacher von TSV Rhein-Wupper Leichlingen mit immer noch sehr guten 47,3 Punkten. Sie überzeugte mit toller Körperspannung, wodurch die Choreografie und die Akrobatik sehr sicher und sauber wirkten.

 

New Age Dance Team, RMV Concordia Strullendorf.

Rheinische Garde

In der zweiten Disziplin – Rheinische Garde – starteten ebenfalls fünf Gruppen, dieses Mal alle aus Deutschland. Die Vorjahressieger aus Merseburg waren nicht mehr dabei. Warum erklärte Trainerin Marion Galander: „Wir haben letztes Jahr so eine tolle Saison getanzt. Wir hatten wirklich Bedenken, ob wir eine Wertung von 9,9 wie 2016 nochmal erreichen können. Deswegen wollten wir aufhören, wenn es am schönsten ist.“ Somit war der Platz ganz oben auf dem Treppchen wieder frei. Diesen erkämpfte sich das New Age Dance Team vom RMV Concordia Strullendorf. Die Tänzerinnen wurden mit lautstarker Unterstützung der mitgereisten Fans auf der Bühne getragen. Die 48,3 Punkte am Ende wurden ebenso laut bejubelt. Im Gespräch mit Garde & Show verriet Trainerin Michelle Dykes, dass die ganze Disziplin und somit auch ihre Gruppe vor den Finalturnieren nochmal richtig zu tun hatte: „Nach den Qualifikationsturnieren hat die Jury alle Trainer der Rheinischen Garde zusammengetrommelt und daran erinnert, dass sich die Richtlinien geändert haben. Es müssen seit dieser Saison 50 Prozent Marschelemente und 50 Prozent Polkaelemente sein. Es wurde nochmal genau erklärt, was was ist und daraufhin haben wir innerhalb von vier Wochen unseren gesamten Tanz umgestellt. Anscheinend haben wir das dann doch ganz gut verstanden und umgesetzt. Die Arbeit hat sich gelohnt“, sagte Michelle. Auf Platz zwei schaffte es die Tanzgruppe Mücheln mit 47,2 Punkten. Hätte man die Augen zu gemacht, hätte man aufgrund der lateinamerikanisch angehauchten Musik gedacht, man wäre in einer Zumba-Stunde. Doch mit geöffneten Augen ergab sich ein stimmiges Bild mit viel Bewegung auf der Bühne und einer sehr modern umgesetzten Choreografie. Die Gruppe wurde für ihre Kreativität und ihren Mut, mal etwas Neues zu machen, auf jeden Fall belohnt. Platz drei ertanzte sich die Rhein-Wupper Garde des TSV Rhein-Wupper Leichlingen mit 46,7 Punkten. Während der Saison hatte die Gruppe öfter mit Verletzungen zu kämpfen, erzählte der erste Vorsitzende Jürgen Möller: „Dabei ist aber nie bei uns im Training oder bei Auftritten etwas passiert, sondern meistens im Schulsport. Trotzdem denken wir weiter nach vorn. Die Konkurrenz ist stark, aber wir haben alleine bei den Kindern zwischen vier und zwölf Jahren 60 Tänzerinnen und Tänzer und damit keine Nachwuchssorgen. Wir haben uns für die nächsten Jahre noch viel vorgenommen.“ So denkt der Verein auch darüber nach, im kommenden Jahr in anderen Disziplinen zu starten.

 

Beatbackz, Dance Akademie Jülich.

Garde Polka

In der Polka gingen drei Gruppen an den Start. Unangefochten auf Platz eins steht seit der letzten Saison die Gruppe Beatbackz der Dance Akademie Jülich. Die Gruppe ist gespickt mit Meister-Solistinnen. Dennoch blieb die Gruppe in der Saison lange hinter den Erwartungen, sagte Trainerin Simone Kosprd: „Wir hatten drei Verletzte und mussten ständig umstellen. Erst zur NRW-Meisterschaft kehrte Ruhe ein und wir konnten entsprechend trainieren. Die Gruppe ist für mich als Trainerin ein Traum. Die Mädels sind immer konzentriert, ruhig und fokussiert. Es ist ein toller Zusammenhalt und man spürt die große Leidenschaft für den Gardetanz.“ Die Arbeit wurde mit 48,5 Punkten belohnt. Zum letzten Mal auf der Bühne stand die Polka der Gruppe Tanzzauber Merseburg. Sie löst sich nach der Europameisterschaft auf. Der Grund: „Viele der Tänzerinnen sind weit über 20, stehen mitten im Berufsleben und wollen auch irgendwann Familien gründen. Sie hören gemeinsam auf. Es haben sich so tolle Freundschaften entwickelt. Das war ein sehr emotionaler Abschluss für uns“, sagte Trainerin Marion Galander Garde & Show. Zum Abschluss holte sich die Gruppe nochmal den Vizemeistertitel mit 47,3 Punkten. Kreativ und souverän wie die letzten Jahre zauberte die Gruppe einen würdigen Abschlusstanz auf die Bühne. Mit ihrem Einfallsreichtum und den innovativen Ideen werden die Tänzerinnen bei Turnieren fehlen. Dritte in der Disziplin Polka wurden die Movie Stars aus Duisburg mit 45,5 Punkten. Für sie war diese Saison eine ganz besonders traurige. Der verstorbene Gründer und Manager des Vereins Ulrich Majchrzak fehlte in dieser Saison zum ersten Mal. Tochter Ina hat den Verein deshalb jetzt übernommen. „Immer bei uns“ hatten sich die Tänzerinnen als Erinnerung an ihn auf ihre T-Shirts drucken lassen. „Wir wollen es für ihn weiterführen“, sagte Ina Majchrzak Garde & Show noch sichtlich emotional. „Wir sind alle eine große Familie, noch stärker geworden und jetzt noch ein bisschen näher zusammengerückt“.

 

Caroline Thiel, Tanzschule TanzBar Eschwege - "Hoffnung und Verzweiflung". 

Dorottya Faragó, Cholnoky Bewegungskunst Veszprém (Ungarn) - "Herztöne". 

Solo Schautanz

Nach den Gardedisziplinen ging es weiter mit den Schausolistinnen, geteilt in Solo Schautanz modern und Solo Schautanz künstlerisch. Sehr ernste und traurige Themen dominierten diese beiden Disziplinen. Die jungen Tänzerinnen haben alle schon etwas zu erzählen und vertanzten diese Geschichten mit viel Herzblut und Leidenschaft. Die Beste bei den modernen Schausolos war Caroline Thiel (Tanzschule TanzBar Eschwege) mit ihrem Tanz „Hoffnung und Verzweiflung“ und 47,0 Punkten. Letztes Jahr noch beste Aufsteigerin setzte sie sich dieses Jahr gleich an die Spitze der europäischen Konkurrenz. Caroline hat einen enormen Sprung im Gegensatz zum Vorjahr gemacht und sich technisch sehr stark weiterentwickelt. Sie wirbelte über die Bühne und zog das Publikum in ihren Bann. Sie legte ihr ganzes Herz in den Tanz und die Tränen am Ende des Tanzes nahm man ihr absolut ab. Bei diesem Tanz war sie sicherlich nicht die einzige, die Pipi in den Augen hatte. Zweite mit 46,8 Punkten wurde Sandy Paloch von der Tanzgruppe Mücheln mit ihrer Darbietung „Jede 4. Frau – Ich bin eine von ihnen.“ Dabei vertanzte sie die Geschichte von einer Frau, die unter häuslicher Gewalt leidet. Auch ihr nahm man jede Sekunde des dramatischen Tanzes ab. Auf den dritten Platz mit 46,4 Punkten schaffte es Pia Westmark von der Dance Akademie Jülich mit ihrem Tanz „The betrayed bride“. Sie stellte eine Braut dar, die sich anfangs so sehr auf ihren großen Tag freute und dann am Ende aber im Stich gelassen wurde. Nicht nur die Abwechslung aus Akrobatik und Tanz, sondern auch aus Glück und Trauer, zeichneten die Choreografie aus. Bei den künstlerischen Schausolos gab es nur eine Starterin – Dorottya Faragó (Cholnoky Bewegungskunst Veszprém, Ungarn). Mit ihrem Tanz „Herztöne“ räumte sie 46,2 Punkte ab. 13 Stunden Anreise hatten sie und die anderen Tänzerinnen ihres Vereins auf sich genommen erzählte Trainerin Tünde Czibik. „Wir kommen gerne hier her. Uns gefällt die IIG-Philosophie. Es ist ein sauberes System. So etwas gibt es bei uns in Ungarn nicht.“

 

Kirsten Grünke und Lisa Zimmermann, Tanzstudio Leuna/Merseburg - "Bis gleich". 

Dorottya Faragó und Fanni Barabás, Cholnoky Bewegungskunst Veszprém (Ungarn) - "Brich die Stille". 

Paar Schautanz

Auch bei den Paaren unterteilte sich die Disziplin in moderne Schauduos und künstlerische Schauduos. Bei den modernen Tänzen gingen fünf Paare an den Start. Hier ging es sehr knapp zu. Jedes des Duos hätte es aufs Treppchen schaffen können – da hing die Platzierung wirklich von der Tagesform ab. In bester Form präsentierten sich Kirsten Grünke und Lisa Zimmermann (Tanzstudio Leuna/Mersburg) mit ihrem Tanz „Bis gleich“. Bei der DM wurden sie noch unglücklich Zweite. „Ich war bei der DM aufgeregt, das bin ich sonst nie und das hat Kirsten gemerkt“, sagte Lisa Garde & Show. Die Aufregung hatte sie dieses Mal unter Kontrolle. 47,7 Punkte waren das Ergebnis und damit Platz eins bei der EM. Sie zeigten sich sehr harmonisch miteinander. Bei dem Thema mussten viele im Publikum schwer schlucken, denn es ging um den Abschied von einem geliebten Menschen, der bald sterben wird. Zweite wurden Lea Heinen und Regina Werbelow (Dance Akademie Jülich) mit „Our way into freedom“ und 47,5 Punkten. Auch hier ging es dramatisch zu. Die beiden punkteten insbesondere mit starkem Ausdruck und hundertprozentigem Vertrauen zueinander. Lea und Regina verabschiedeten sich mit diesem Tanz als Paar von der Bühne. Für Trainerin Simone Kosprd ist das ein echter Verlust: „Mit den beiden arbeiten zu dürfen, ist so ein Geschenk. Sie sind zu allem bereit, experimentierfreudig und so wandelbar. Das wird mir sehr fehlen.“ Auf den dritten Platz schafften es mit 46,9 Punkten Friederike Schmidt und Hannes Kölling (Tanzgruppe Mücheln) mit „With and without you“. Sie vertanzten die Geschichte eines Paares am Ende der Beziehung. Das Gefühlschaos brachten sie authentisch auf die Bühne. Nachdem sie das Treppchen bei der Deutschen Meisterschaft knapp verpasst hatten, war die Freude über den dritten Platz umso größer. Bei den künstlerischen Paaren gab es ebenfalls nur einen Starter. Mit 45,4 Punkten und ihrem Tanz „Brich die Stille“ überzeugten Dorottya Faragó und Fanni Barabás aus Ungarn.

 

JazzADa's Jazz No. I, TSV Schleißheim. 

Künstlerischer Tanz

„Einfach nur schön“ – so lässt sich die Disziplin künstlerischer Tanz gut beschreiben. Mit langen Kleidern und weichen Bewegungen traten drei Gruppen an. 46,4 Punkte und damit Platz eins ging an die JazzADas Jazz No. I des TSV Schleißheim. Die Gruppe funktioniert einfach wunderbar zusammen. Die schwierigsten Elemente bringen sie synchron auf die Bühne und punkten mit unvergleichbarer Natürlichkeit. Platz zwei wurde gleich zweimal vergeben: An die Tanzgruppe Mücheln und das Tanzstudio Leuna/Merseburg. Beide kamen exakt auf 45,5 Punkte und auch die Streichwertungen waren gleich. Während Mücheln mit einer starken Choreo punktete, setzte Merseburg ihren Tanz „Im Schutz der Künste“ in eine Hommage an die Freiheit der Kunst um.

 

The Lollypops, 1. Ruhrorter KG Duisburg - "Ein Leben auf Zeit". 

Time2Change Kemmern - "Escape". 

Garde- und Showtanzgruppe Rattelsdorf, SpVgg Rattelsdorf - "Lost". 

Showtanzformation Macig Unity Moers - "It's magic". 

Moderne Gruppenformationen

Die modernen Gruppenformationen wurden in vier Disziplinen unterschieden: bis 10 Personen ohne Hebefiguren, bis 10 Personen mit Hebefiguren, ab 11 Personen ohne Hebefiguren und ab 11 Personen mit Hebefiguren. Bei den kleinen Gruppen mit Hebefiguren traten nur die Lollypops (1. Ruhrorter KG Duisburg) an. Für ihren Tanz „Ein Leben auf Zeit“ wurden sie mit 45,3 Punkten belohnt. Bei den kleinen Gruppen ohne Hebefiguren waren es vier Gruppen. Platz eins sicherte sich die Gruppe Time2Change aus Kemmern mit ihrer Show „Escape“. Die HipHopper unter den IIG-Tänzern bewiesen wieder, dass ein guter Schautanz keine Frage des Tanzstils ist, räumten 48,0 Punkte ab und trafen mit ihrem Thema mitten ins Herz. „Im Gegensatz zum letzten Jahr lassen wir mit dieser Show bewusst einen Interpretationsspielraum, da diese Geschichte für jeden eine unterschiedliche Bedeutung haben kann“, sagte Jenny Michalski Garde & Show. Platz zwei ging an die „Duisburger Jungs“ der Movie Stars Duisburg. Sie präsentierten eine Liebeserklärung an ihre Heimat und stellten in ihrem Tanz einen Bezug zur Stadt und der Bergbautradition her. Das Ergebnis: 47,2 Punkte. Dritte wurde die ungarische Gruppe aus Veszprém mit ihrem Tanz „Verschleiert“ und 46,9 Punkten. Mit einem großen Tuch brachten sie viel Kreativität in den Tanz und viele turnerische Elemente. Die am stärksten besetzte Disziplin folgte mit den großen Gruppen ohne Hebefiguren. Hier gingen sieben Gruppen an den Start. Die Nase vorn hatte die Garde- und Showtanzgruppe Rattelsdorf mit ihrem Tanz „Lost“. Darin nahmen sie das Publikum mit auf eine einsame Insel, auf der sie wegen eines Flugzeugabsturzes landeten. Die Gruppe nutzte die Bühne komplett aus und heizte das Publikum richtig an. Mit einem großen „BÄM“ kann man den Tanz wohl am besten beschreiben. 48,9 Punkte gab es für diese tolle Show. Der zweite Platz ging mit 47,9 Punkten an zwei Gruppen: den TSV Schleißheim und die Dance Akademie Jülich. Die Tänzerinnen aus Schleißheim präsentierten sich unglaublich stark und als Power-Frauen. Die Dance Akademie Jülich zeigte „Marry me part Two, das verflixte 7. Jahr“ und damit eine Geschichte, in der sich die Ehefrau, die von ihrem Mann nicht mehr richtig ernst genommen wird, nach sieben Jahren trennt und einen Mann bevorzugt, der sie wirklich schätzt. Dritte wurde die Tanzgruppe Mücheln mit „Reich und arm – Schicksale der Gesellschaft.“ Trainerin Simone Schmitt freute sich besonders über die 47,7 Punkte, denn sie hatte in dieser Saison mit der Gruppe bewusst etwas Neues gewagt: „Wir haben dieses Jahr an vielen Workshops teilgenommen, deren Inhalte Contemporary, Modern Jazz und Modern Dance waren. Bei der Auswahl der Choreografien legten wir demzufolge viel Wert auf ausdrucksstarke, emotionale und gesellschaftskritische Inhalte. Wir wollten einfach mal von den modernen „Boom Boom Tänzen“ etwas weg und einmal was Neues probieren, um der Jury zu zeigen, dass wir dafür offen sind und gewillt, uns tänzerisch weiterzuentwickeln und zu entfalten.“ Die letzte Disziplin moderne Gruppenformationen ab 11 Personen mit Hebefiguren bestand noch einmal aus zwei Startern. Gewonnen hat diese mit 46,2 Punkten Magic Unity aus Moers mit ihrer Show „It’s magic“. Trainerin Ramona Ridder-Lausberg erzählte Garde & Show von den turbulenten Vorbereitungen: „Zur Deutschen Meisterschaft hat sich eine unserer Tänzerinnen die Bänder in der Hand bei einer Hebung gerissen. Bei der Euro hatten wir insgesamt drei Ausfälle. Wir mussten komplett umstellen und Tänzerinnen wieder neu für die Positionen einarbeiten.“ Dennoch ließen sie die Magic Diamonds vom 1. Nieder Carneval Club Frankfurt hinter sich. Die Gruppe wurde mit 44,9 Punkten zweite mit ihrem Tanz „Captain Jack Remix“. Die Frankfurter sind in dieser Saison aufgestiegen und hatten nur ein Motto: „In der Leistungsklasse überleben“, sagte Trainerin Tatjana Toups. „Wir würden uns in der Disziplin ein bisschen mehr Konkurrenz wünschen. Wir wollen besser werden und sind für die nächsten Jahre noch sehr ehrgeizig.“

Zum Abschluss des Tages gab es eine emotionale Siegerehrung, da es für viele doch die letzte war. Auch der für seine straighte Linie bekannte Präsident Hans Pfeiffer wurde zum Ende noch einmal ganz weich und emotional und bedankte sich bei seiner IIG-Familie für den Zusammenhalt. „So lange, wie ihr mich noch wollt, so lange mache ich das hier oben auch noch“, sagte er. So wie der Tag angefangen hatte, so endete er auch, nämlich mit einer vollständig tanzenden Halle und super Stimmung. Bereits auf dem Parkplatz wurde ausgelassen gefeiert und die Heimreise angetreten, bis sich im nächsten Jahr dann wieder alle treffen, um den Tanzsport zu leben und zu feiern.